111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid vergessen
Mila Klein111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid vergessen
In diesem Jahr jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum 111. Mal. Rund 1,5 Millionen Armenier wurden im Osmanischen Reich ermordet – Deutschland kam dabei eine mitschuldige Rolle zu. Trotz der historischen Bedeutung bleibt das Thema in deutschen Klassenzimmern weitgehend ausgeklammert.
2016 beschloss der Deutsche Bundestag eine Resolution, die die Aufnahme des armenischen Völkermords in die Lehrpläne forderte. Doch überfüllte Stundenpläne, Zeitmangel und fehlende Unterrichtsmaterialien sorgen dafür, dass das Thema oft vernachlässigt wird. Viele Lehrkräfte berichten zudem von unzureichendem Fachwissen, um es angemessen zu behandeln.
Laura Cwiertnias Roman "Auf der Straße haben wir andere Namen" eröffnet nun einen neuen Zugang für Schülerinnen und Schüler. Im März bei Reclam Verlag als Pflichtlektüre für den Schulunterricht erschienen, thematisiert das Buch Völkermord, Überleben und die Erfahrungen türkischer Gastarbeiter in Deutschland. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers ordnete den Roman ein und betonte sein Potenzial, Schülerinnen und Schüler emotional und reflektierend an die historischen Ereignisse heranzuführen.
Die Themen des Buches – Gewalt, Konflikt und Migration – knüpfen direkt an das Erbe des Völkermords an. Durch Literatur könnten Lehrkräfte einen zugänglicheren Weg finden, um ein schwieriges, aber unverzichtbares Kapitel der Geschichte zu vermitteln.
Die Bundestagsresolution bleibt in vielen Schulen weiterhin unerfüllt, was Lücken in der historischen Bildung hinterlässt. Cwiertnias Roman bietet nun eine Möglichkeit, den armenischen Völkermord in den Unterricht zu bringen. Seine Einbindung könnte dazu beitragen, dass künftige Generationen über die Gräueltaten von 1915 lernen.






