29 June 2026, 18:14

Bachmann-Preis 2024: Mutige Texte über Gewalt, Krebs und queere Identität triumphieren

Gegen alles Frontal

Bachmann-Preis 2024: Mutige Texte über Gewalt, Krebs und queere Identität triumphieren

Mutige Themen und starke Stimmen prägten den diesjährigen Bachmann-Preis

In diesem Jahr stand der Ingeborg-Bachmann-Preis ganz im Zeichen mutiger Themen und markanter Stimmen. Die von einer siebenköpfigen, rein weiblichen Jury bewertete Veranstaltung ehrte Texte, die persönliche und gesellschaftliche Kämpfe mit schonungsloser Ehrlichkeit aufgriffen.

Den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt Schaette für ihren Text „Was wir tragen“, der sich mit der lebenslangen Gewalt auseinandersetzt, der übergewichtige Menschen ausgesetzt sind. Zudem gewann sie den Publikumspreis – ein doppelter Triumph.

Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ ausgezeichnet. Ihr Werk legte die täglichen Demütigungen und Entbehrungen eines Lebens unter solchen Bedingungen schonungslos offen. Magdalena Schrefel erhielt den 3sat-Preis für „Kirschen, Herz in der Schlinge“, einen Text, der ihre Brustkrebsdiagnose und die Herausforderung, offen darüber zu sprechen, reflektiert.

Ozan Zakariya Keskinkılıç gewann den Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“, eine Erzählung, die den Konflikt eines schwulen Vaters zwischen seinem Sohn und seinem Liebhaber thematisiert. Slata Roschal sorgte für Schlagzeilen, indem sie sich nach ihrer Lesung weigerte, der Jury gegenüberzutreten, und die literarische Establishment-Kultur scharf kritisierte.

Wiederkehrende Motive in den eingereichten Texten waren unter anderem der „Fleck“ – oft als Symbol für prekäre Lebensumstände. Die Jury unter dem Vorsitz des einstigen Provokateurs Burkhard Spinnen lobte einfallsreiche Ideen und herausragende Sätze. Nur wenige Beiträge wurden rundweg abgelehnt; die meisten überzeugten durch Originalität und Tiefe. Erwähnung fand auch Ingeborg Bachmanns eigenes Werk „Der gute Gott von Manhattan“, dessen surreale Prämisse – ein wohlwollender Gott vor Gericht – die Tradition des Preises für kühne Erzählkunst widerspiegelt.

Die Auszeichnungen würdigten vielfältige und provokante Erzählweisen. Die Preisträger:innen setzten sich mit Themen wie struktureller Diskriminierung und persönlichen Traumata auseinander und bewiesen damit die anhaltende Kraft der Literatur, schwierige Wahrheiten unerschrocken zu konfrontieren. Die Veranstaltung festigte einmal mehr ihren Ruf als Plattform für schonungslose und zugleich fantasievolle Literatur.

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