Deutsche Industrie im Umbruch: Warum die Deindustrialisierungsängste übertrieben sind
Nina MüllerDeutsche Industrie im Umbruch: Warum die Deindustrialisierungsängste übertrieben sind
Die deutsche Industrie durchläuft trotz Sorgen über sinkende Exporte und wachsenden Wettbewerb einen tiefgreifenden Wandel. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Befürchtungen einer Deindustrialisierung übertrieben sein könnten – viele Branchen verzeichnen kräftiges Wachstum. Mittlerweile stammen mehr als drei Viertel der industriellen Produktion aus Sektoren mit steigender Nachfrage.
Drei unabhängige Untersuchungen zeigen, dass sich die meisten Industrieunternehmen hin zu wachstumsstarken Produkten entwickeln. Selbst in Krisenbranchen wie der Metallverarbeitung oder der Chemie dominieren Segmente mit hohem Wachstumspotenzial. Diese Erkenntnisse widerlegen die Annahme eines flächendeckenden Niedergangs: 76 Prozent der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe entfallen auf Branchen mit wachsender Nachfrage.
Dennoch bleiben Herausforderungen – insbesondere in der Automobilindustrie. Die deutschen Pkw-Exporte nach China sind seit 2020 dramatisch eingebrochen: von etwa 570.000 Fahrzeugen auf rund 285.000 im Jahr 2024. Gründe dafür sind der harte Wettbewerb mit chinesischen E-Auto-Herstellern wie BYD, eine nachlassende Nachfrage aufgrund der wirtschaftlichen Abkühlung Chinas sowie Handelskonflikte – etwa die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos und die Gegenmaßnahmen Pekings. Zudem hinken deutsche Marken bei der Umstellung auf Elektromobilität hinter lokalen Konkurrenten her.
Forscher betonen, dass die industrielle Zukunft Deutschlands von innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen abhängen könnte. Sie schlagen ein Modell vor, bei dem Produkte in Deutschland entwickelt, die Fertigung jedoch ins Ausland verlagert wird. Allerdings hat sich der Wandel hin zu einer wachstumsorientierten Produktion noch nicht vollständig durchgesetzt.
Trotz anhaltender Probleme in Schlüsselsektoren wie dem Automobilexport zeichnen die Studien insgesamt ein optimistisches Bild der deutschen Industrie. Nun wird die Politik aufgefordert, Bedingungen zu schaffen, die Innovation und Anpassungsfähigkeit fördern. Ob dieser Strukturwandel gelingt, wird maßgeblich über die langfristige Widerstandsfähigkeit des Standorts entscheiden.






