Experten fordern: Natürliche Infrastruktur soll als kritisch anerkannt werden
Clara BraunExperten fordern: Natürliche Infrastruktur soll als kritisch anerkannt werden
Ein Expertengremium, das die deutsche Bundesregierung berät, fordert die rechtliche Anerkennung natürlicher Infrastruktur als kritische Infrastruktur. Der Wissenschaftliche Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) veröffentlichte am Freitag einen Bericht, in dem er die dringende Notwendigkeit dieses Wandels darlegt. Darin wird argumentiert, dass Ökosysteme für den Zivilschutz und die wirtschaftliche Stabilität von entscheidender Bedeutung sind.
Der Bericht betont, dass Ökosysteme die natürliche Lebensgrundlage bilden. Sie wirken als Puffer gegen Hitzewellen, Pandemien und extreme Wetterereignisse. Bisher konzentriert sich der Schutz kritischer Infrastruktur vor allem auf Straßen, Schienen und Energienetze – auch als graue Infrastruktur bekannt.
Das Gremium empfiehlt, Seen, Wälder und Moore als kritische Infrastruktur einzustufen. Zudem fordert es eine bundesweite Erfassung natürlicher Flächen sowie den Aufbau von Frühwarnsystemen zur Überwachung der Ökosystemdegradation. In die militärische Ausbildung solle das Bewusstsein für Umweltrisiken integriert werden, während der Nationale Sicherheitsrat den Schutz natürlicher Infrastruktur priorisieren solle.
Zur Finanzierung dieser Maßnahmen schlagen die Autoren die Mobilisierung öffentlicher und privater Mittel vor. Unternehmen sollen motiviert werden, in Schutzprojekte zu investieren. Der Bericht plädiert außerdem dafür, die Entwicklungspolitik im Sinne des Ökosystemschutzes zu stärken – unter Führung lokaler Akteure. Als Vorbild wird die Coral Triangle Initiative genannt. Zudem rät er zu einem globalen Umstieg der Energieerzeugung auf erneuerbare Quellen wie Solar- und Windkraft, um sich aus wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen von fossilen Brennstoffen zu lösen.
Der Bericht warnt, dass Kürzungen bei Klimaprojekten lokale Gemeinschaften durch den Rückgang von Biodiversitätsinitiativen belasten würden. Dies könnte letztlich die globale Sicherheit gefährden. Die rechtliche Anerkennung natürlicher Infrastruktur wäre ein bedeutender Schritt zum Schutz dieser lebenswichtigen Systeme.
