AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Sienna Rose echt oder nur eine KI-Erfindung der Musikindustrie?
Die rätselhafte Soul-Sängerin Sienna Rose sorgt für Aufsehen – nicht nur wegen ihrer Musik, sondern weil unklar ist, ob sie überhaupt existiert. Mit fast zwei Millionen monatlichen Hörern auf Spotify fragen sich Fans und Kritiker gleichermaßen, ob es sich bei ihr um eine KI-Erfindung handelt und nicht um eine echte Künstlerin. Nun hat eine Untersuchung des Bayerischen Rundfunks Verbindungen zu einem russischen Internet-Label aufgedeckt, das auf künstlich erschaffene Pop-Akte spezialisiert ist.
Erstmals auf sich aufmerksam wurde Sienna Rose, als Selena Gomez einen ihrer Songs in einem Instagram-Post teilte. Der Clip ging viral – doch statt ihre Karriere zu beflügeln, löste er Spott und Skepsis aus. Beobachter verwiesen auf seltsame Details: keine Live-Auftritte, eine Flut neuer Titel und so gut wie keine Präsenz in den sozialen Medien außer einem einzigen Profil.
Das Team des Bayerischen Rundfunks verfolgte Roses Spuren bis zu Nostalgic Records, einem russischen Label unter der Leitung des Produzenten Maksim Muravjov. Muravjov arbeitet mit dem KI-Experten Hafsteinn Runarsson zusammen, der für die Erschaffung virtueller Popstars bekannt ist und Kurse zum Thema "Kommerzialisierung künstlicher Intelligenz" anbietet. Ihre Partnerschaft legt nahe, dass Rose eine von vielen KI-generierten Künstlerinnen sein könnte, die gezielt für Streaming-Plattformen entwickelt wurden, um Gewinne zu erzielen.
Die Ermittlungen führten dazu, dass die ursprüngliche Version von Sienna Rose – mit roten Haaren – aus den sozialen Medien verschwand. Nur die Variante mit Afro-Frisur ist noch auf Spotify aktiv, wo sie in ihrer Biografie als "Geschichtenerzählerin des Herzens" beschrieben wird. Unterdessen warf der YouTuber Rick Beato Spotify vor, KI-generierte Musik aus Profitgründen zu fördern, und verwies darauf, dass Bots 85 Prozent der Streams für künstliche Künstler erzeugen. Angesichts von Millionen monatlich hochgeladener Titel steht die Plattform zunehmend in der Kritik, was Transparenz angeht.
Trotz der Kontroverse hat noch kein Streaming-Dienst Regeln für rein KI-erzeugte Musik eingeführt. Die Debatte über Risiken und Chancen von KI in der Branche hält an, doch konkrete Maßnahmen fehlen. Die BBC schätzt, dass Sienna Rose ihren Machern über 2.000 Euro pro Woche einbringt – mehr als eine Million im Jahr – und unterstreicht damit die finanziellen Anreize hinter solchen Projekten.
Der Fall Sienna Rose wirft grundsätzliche Fragen zur Authentizität in der Musikindustrie auf. Zwar sind ihre Songs nach wie vor auf Spotify zu hören, doch das Verschwinden ihres ursprünglichen Images und das Fehlen von Live-Aktivitäten schüren die Zweifel. Bisher haben die Streaming-Plattformen das Problem weder mit klaren Richtlinien noch mit Einschränkungen angegangen.