23 April 2026, 14:13

"Kein Körper passt": Kim de l'Horizons Roman feiert bewegende Bühnenpremiere in Berlin

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Lebensphasen von Frauen von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, mit fetter Schrift und detaillierten Elementen.

"Kein Körper passt": Kim de l'Horizons Roman feiert bewegende Bühnenpremiere in Berlin

Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman "Kein Körper passt" feiert Premiere vor ausverkauftem Haus im Berliner Vaganten Bühne

Am Dienstagabend erlebte die Bühnenfassung von Kim de l'Horizons gefeiertem Debütroman "Kein Körper passt" im Berliner Vaganten Bühne eine vielbeachtete Premiere vor ausverkauftem Saal. Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, entfaltet nun in einer 90-minütigen Theaterinszenierung eine neue Dimension.

Das Stück begleitet die Erzählerin Kim – dargestellt von drei Schauspieler:innen – auf ihrer Auseinandersetzung mit transgenerationalem Trauma und dem Ringen um Selbstakzeptanz in einem genderfluiden Körper. Die Handlung setzt ein, als Kims Großmutter an Demenz erkrankt und die Protagonistin durch alte Briefe nach ihrer eigenen Identität sucht. Die Schriftstücke enthüllen eine schmerzhafte mütterliche Ahnenreihe: erzwungene Abtreibungen, Massenvergewaltigungen, zurückgelassene Kinder. Ein Blutbuchenbaum, einst von Kims Urgroßvater gepflanzt, wird zum Symbol für Schutz und Orientierung auf dieser Reise.

Auf der Bühne entfaltet sich Kims innerer Konflikt, während sie das Schweigen und die Scham infrage stellen. Die drei Darsteller:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – teilen sich die Rolle und verkörpern so Kims Flüssigkeit und den Widerstand gegen binäre Zuschreibungen. Eine prägnante Szene zeigt eine Modenschau, in der das Trio weiße Spitzenkleider trägt, während die Figur Grandsea missbilligend zuschaut – ein Spiegel von Kims realen Kämpfen mit gesellschaftlichen Erwartungen.

Kernanliegen des Stücks ist es, Zyklen unausgesprochenen Leidens zu durchbrechen. Indem es Traumen aufarbeitet, die frühere Generationen verdrängten, sucht die Adaption nach Heilung – nicht nur für Kim, sondern auch für das Publikum, das ihre Verwandlung miterlebt. Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, de l'Horizons zutiefst persönliche Erzählung auf die Theaterbühne zu übertragen. Mit ihrer schonungslosen Erforschung von Trauma, Geschlecht und familiärem Erbe lädt die Inszenierung die Zuschauer:innen ein, über eigene geerbte Schweigen nachzudenken. Die ausverkaufte Erstaufführung unterstreicht, wie weit die Wirkung dieser Geschichte über die Buchseiten hinausreicht.

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