12 March 2026, 10:07

Nachbarschaftshelfer:innen unterstützen still und oft unentgeltet – warum viele auf Fördergelder verzichten

Ein Plakat für einen Wohltätigkeitsbasar, der die Witwen und Waisen deutscher, australischer, ungarischer und alliierter Soldaten unterstützt, mit Textinformationen zum Event.

Nachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Nachbarschaftshelfer:innen unterstützen still und oft unentgeltet – warum viele auf Fördergelder verzichten

In ganz Deutschland unterstützen Nachbarschaftshelfer:innen leise und unauffällig ältere und hilfsbedürftige Menschen im Alltag. Die meisten von ihnen sind Ehrenamtliche – oft Rentner:innen –, die einkaufen, putzen oder Begleitdienste zu Terminen übernehmen. Doch trotz steigender Nachfrage zögern viele Berechtigte, die ihnen zustehende finanzielle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Die 60-jährige Kerstin Kränzel aus Sachsen-Anhalt begleitet wöchentlich eine ältere Dame mit eingeschränkter Mobilität beim Einkaufen. Ihr Engagement steht exemplarisch für einen bundesweiten Trend: 70 Prozent der Nachbarschaftshelfer:innen sind Frauen, meist Rentnerinnen oder kurz vor dem Ruhestand. Kränzel lässt sich dabei von den Wohngemeinschaften der DDR inspirieren, in denen Nachbar:innen sich wie vertraute Freund:innen gegenseitig unterstützten.

Allein in Sachsen-Anhalt haben sich über 4.000 Menschen als Helfer:innen ausbilden lassen und registrieren lassen. Ihre Aufgaben reichen vom Erledigen von Besorgungen bis hin zur Haushaltshilfe. Dennoch bleibt die finanzielle Förderung oft ungenutzt: Die Pflegeversicherung gewährt zwar bis zu 131 Euro monatlich für solche Leistungen – doch nur etwa 56,7 Prozent der Anspruchsberechtigten beantragen die Mittel, obwohl die Zahl der Berechtigten um über 23 Prozent gestiegen ist.

Fachleute wie Stefanie Hamacher betonen, dass Nachbarschaftshelfer:innen die soziale Teilhabe und gemeinsame Erlebnisse stärken. Doch Scham und Stigmatisierung halten viele davon ab, Hilfe zu suchen. Viele scheuen sich, einen Pflegegrad zu beantragen, und warten, bis die Notlage akut wird.

Während Bundesländer wie Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Tausende aktive Helfer:innen verzeichnen, gibt es keine bundesweiten Statistiken. Die Programme bleiben regional begrenzt, und es lassen sich kaum klare Trends der letzten Jahre erkennen.

Nachbarschaftshelfer:innen schließen Versorgungslücken – sie leisten praktische Hilfe und schenken Zuwendung. Doch die geringe Inanspruchnahme von Fördergeldern und das fortbestehende Stigma führen dazu, dass viele Betroffene ohne Unterstützung bleiben. Das System trägt sich vor allem durch Menschen wie Kerstin Kränzel, die mit ihrem Einsatz Gemeinschaften zusammenhalten – eine Besorgung nach der anderen.

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