Öffentlich-rechtliche Sender vernachlässigen Wirtschaftsthemen in der Krise
Nina MüllerÖffentlich-rechtliche Sender vernachlässigen Wirtschaftsthemen in der Krise
Deutschland steht vor der längsten Wirtschaftskrise seit Gründung der Bundesrepublik. Gleichzeitig zeigt eine neue Analyse, dass öffentlich-rechtliche Sender wirtschaftliche Debatten seltener aufgreifen – und wenn doch, kommen Vertreter aus der Wirtschaft oft zu kurz. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wirft ARD und ZDF vor, ihrem öffentlichen Auftrag nicht gerecht zu werden.
Die INSM-Studie untersuchte 284 Folgen großer Talkformate zwischen 2023 und 2025, darunter Markus Lanz, Caren Miosga, Maybrit Illner, hart aber fair und Maischberger. Dabei stellte sie fest, dass sich 2025 nur noch 20 Prozent der Sendungen mit Wirtschaftspolitik beschäftigten – ein Rückgang gegenüber 33 Prozent im Jahr 2023.
In der Sendung Maischberger fehlte in vier von fünf wirtschaftsbezogenen Diskussionen jede unternehmerische Perspektive. Insgesamt verzichteten 32 Prozent der Folgen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt komplett auf Vertreter aus der Wirtschaft. Stattdessen dominierten die Gästelisten Politiker (41 Prozent), Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent). Unternehmer machten lediglich 5 Prozent der Teilnehmer aus, Vertreter von Wirtschaftsverbänden nur 2 Prozent.
Eine Ausnahme bildete hart aber fair: Hier widmeten sich 39 Prozent der Folgen wirtschaftlichen Themen – und immer war mindestens ein Vertreter aus der Wirtschaft zu Gast. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben kritisierte, die öffentlich-rechtlichen Sender vernachlässigten ihre Pflicht, indem sie wirtschaftliche Stimmen ausschlössen. Er forderte eine stärkere Einbindung von Unternehmern und Branchenexperten, um die wirtschaftlichen Herausforderungen Deutschlands zu bewältigen.
Alsleben warf ARD und ZDF vor, wirtschaftliche Debatten in einer Phase zu vernachlässigen, in der das Land mit massiven Problemen kämpft. Die Studie gibt nicht an, wie viele der analysierten Folgen in der ersten Jahreshälfte 2023 bzw. 2025 auf den jeweiligen Sendern ausgestrahlt wurden.
Die Analyse unterstreicht den Rückgang wirtschaftlicher Diskussionen in öffentlichen Talkformaten, bei denen unternehmerische Standpunkte zunehmend fehlen. Die INSM appelliert an die Sender, mehr Unternehmer und Wirtschaftsvertreter in Debatten einzubinden. Die Ergebnisse erscheinen zu einer Zeit, in der Deutschland mit dem längsten Wirtschaftseinbruch seit Jahrzehnten ringt.






