12 April 2026, 18:08

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet und ohne Schutz durch fehlende Kontrollen

Plakat mit einem britischen Granitarbeiter vor einem Berg- und Baumhintergrund, mit dem Text "Was unser Freihandel bedeutet - Britischer Granitarbeiter - Die faire Lohnklausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet und ohne Schutz durch fehlende Kontrollen

Saisonarbeiter in Deutschland leiden unter verschärften Bedingungen – Kontrollen auf Rekordtief

Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft sehen sich zunehmend verschlechterten Arbeitsbedingungen ausgesetzt, während der Schutz ihrer Rechte schwindet. Kontrollen durch die Behörden sind auf ein historisches Tief gesunken – und lassen die Beschäftigten schutzlos gegen Ausbeutung zurück. Viele von ihnen leisten extreme Arbeitszeiten, leben in unsicheren Unterkünften und müssen unrechtmäßige Lohnabzüge hinnehmen, ohne dass dies ausreichend überprüft wird.

Im Jahr 2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben undokumentiert. Durch neue Regelungen wurden kurzfristige Verträge auf bis zu 90 Tage pro Jahr ausgeweitet – mit der Folge, dass die Arbeiter keinen Anspruch auf Krankengeld oder Rentenbeiträge haben.

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Die Arbeitsbedingungen sind hart. Einige Erntehelfer müssen bis zu 14 Kilogramm Spargel pro Stunde pflücken, ein Ziel, das für 2025 vorgegeben wurde. Andere arbeiten bis zu 70 Stunden pro Woche – weit über den gesetzlich erlaubten Grenzen. Lohnbetrug ist weit verbreitet: Illegale Abzüge schmälern die ohnehin kargen Einkommen.

Auch die Wohnsituation verschärft die Belastung. In einem dokumentierten Fall wurde ein 15 Quadratmeter großer Frachtcontainer für über 2.000 Euro monatlich vermietet. Gleichzeitig fordert der Deutsche Bauernverband eine 20-prozentige Absenkung des Mindestlohns für ausländische Saisonarbeiter.

Die Durchsetzung von Arbeitsschutzbestimmungen ist zusammengebrochen. 2024 fanden in der Landwirtschaft nur noch 274 Kontrollen statt – der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Zwar ermöglicht die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP), Subventionen von Betrieben einzubehalten, die gegen Arbeitsrecht verstoßen, doch dieses Instrument wird kaum angewendet.

Bei einer so geringen Kontrolldichte bleiben Saisonarbeiter weiter schutzlos Ausbeutung ausgesetzt. Der Mangel an sozialer Absicherung, überlange Arbeitszeiten und unbezahlbarer Wohnraum bleiben ungehindert bestehen. Solange sich an der laxen Durchsetzung nichts ändert, ist kaum mit einer Besserung ihrer Lage zu rechnen.

Quelle