Theaterangst überwinden: Wie ich mich mit Nacktheit und Provokation konfrontierte
Claudia FischerTheaterangst überwinden: Wie ich mich mit Nacktheit und Provokation konfrontierte
Ein kürzlicher Theaterbesuch konfrontierte mich mit unerwarteten Ängsten und ungewöhnlichen Lösungsansätzen. Nach dem Besuch eines beeindruckenden Stücks über Überleben und Gemeinschaft zögerte ich plötzlich, eine weitere Berliner Produktion zu besuchen – diesmal wegen des Hauptdarstellers, der für vollständige Nacktheit und unberechenbares Verhalten bekannt ist. Die Erfahrung führte sogar zu einer spontanen Desensibilisierungstherapie mit einer Freundin, inklusive eines skurrilen „Heilungsplans“ mit Filmklassikern und extremen Herausforderungen.
Der Abend begann mit einem visuell gewagten Stück, das sich um apokalyptische Themen und menschliche Widerstandsfähigkeit drehte. Trotz fehlender klarer Handlung belohnten die Zuschauer:innen die Darstellung mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus. Nur ein einzelner Gast unterbrach die Ovationen mit einem verächtlichen Buh-Ruf.
Am nächsten Tag schlug meine Freundin eine Desensibilisierungstherapie vor, um meine wachsende Liste an theaterbezogenen Ängsten zu bearbeiten. Wir begannen mit Frühling für Hitler, um unsere Nerven zu resetten. Anschließend entwarfen wir einen stufenweisen Gewöhnungsplan. Er sah vor, zunächst jede Aufführung des berüchtigten nackten Schauspielers zu besuchen, gipfelte dann aber in einer Kreuzfahrt mit einem Pflichtabendprogramm: Heino trifft Rammstein. Bei diesem letzten Punkt wurde mir körperlich übel.
Irgendwann stellte ich mir ein alternatives Programm vor – eines, das Filme wie JoJo Rabbit und Der große Diktator nutzt, um rassistische Ideologien und Zwangsassimilation zu bekämpfen. Doch aktuell geht es mir darum, die akute Angst vor unberechenbaren Darbietungen und Bühnennacktheit zu überwinden.
Die Therapiesitzung hinterließ ein Gemisch aus Erleichterung und nachwirkendem Unbehagen. Die Liste der Konfrontationsübungen, so extrem sie auch war, zwang mich, mich mit konkreten Ängsten auseinanderzusetzen, die mit Berlins avantgardistischer Theaterszene verbunden sind. Ob ich den Plan tatsächlich umsetze – oder einfach dem nackten Schauspieler aus dem Weg gehe – bleibt abzuwarten.






