15 March 2026, 14:06

Wehrpflicht kehrt 2024 zurück – doch nur auf dem Papier und mit Fragebogen

Ein Plakat mit schwarzer, fetter Schrift, auf dem "N.S.W. Recruiting Campaign 50,000 Men Wanted" steht, vor einem weißen Hintergrund, eingerahmt in schwarz.

Stand der Armee auf Jobmesse mit Farbe beschmiert - Wehrpflicht kehrt 2024 zurück – doch nur auf dem Papier und mit Fragebogen

Deutschland hat 2024 eine Form der Wehrpflicht wieder eingeführt – mehr als ein Jahrzehnt nach deren Aussetzung. Das neue System verlangt von allen Männern, die das 18. Lebensjahr erreichen, einen Fragebogen auszufüllen, der ihre Eignung für den Militärdienst bewertet. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund akuter Personalengpässe bei der Bundeswehr, die ihre Reihen durch beschleunigte Rekrutierung ausbauen will.

Das überarbeitete Wehrpflichtgesetz trat Anfang dieses Jahres in Kraft und markiert damit eine Abkehr von der 2011 beschlossenen Aussetzung. Nach den neuen Regelungen müssen Männer bei Vollendung des 18. Lebensjahres einen Fragebogen zu Eignung und Motivation ausfüllen, während Frauen sich freiwillig melden können. Wer aus Gewissensgründen den Waffenienst ablehnt, behält das Recht auf Verweigerung – geschützt durch das Grundgesetz.

Die Bundeswehr hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Personalnot zu bewältigen. Dazu zählen beschleunigte Rekrutierungskampagnen, kürzere zweijährige Verträge, höhere Einstiegsgehälter und Karriereberatungsstellen an Schulen. Zudem wurden die Werbebudgets aufgestockt, um mehr Bewerber anzulocken. Sollten diese Bemühungen nicht ausreichen, könnte der Bundestag eine "Bedarfwehrpflicht" einführen, die sich an den tatsächlichen Erfordernissen orientiert.

Unterdessen regte sich Widerstand gegen die Neuregelungen auf einer Berufsmesse in Jena. Rund sechs Aktivisten störten einen Rekrutierungsstand der Bundeswehr, übergossen ihn mit Farbe und skandierten Parolen gegen die Wehrpflicht. Die Polizei griff ein, wies die Gruppe vom Gelände und leitete Ermittlungen wegen Sachbeschädigung ein. Der Vorfall verlief ohne Gewalt.

Ziel des neuen Systems ist es, die personelle Stärke der Bundeswehr zu erhöhen, ohne eine allgemeine Dienstpflicht einzuführen. Sollten die Rekrutierungsziele verfehlt werden, könnten weitere Maßnahmen folgen. Derzeit liegt der Fokus jedoch auf freiwilligem Engagement und erweiterten Anreizen.

Quelle