Felix Banaszak will junge Männer mit Feminismus und pinken Wänden gewinnen
Claudia FischerFelix Banaszak will junge Männer mit Feminismus und pinken Wänden gewinnen
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, wirbt für eine neue Art des Gesprächs mit jungen Männern. Seine feministische Botschaft entfaltet er in Interviews, bei öffentlichen Auftritten und selbst durch die Farbe seiner Bürowände. Jetzt fordert er mehr Unterstützung für Initiativen, die Männern helfen, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen.
Sein Engagement fällt in eine Zeit, in der die politischen Gräben unter jungen Wählern tiefer werden. Bei der letzten Bundestagswahl stimmten Männer unter 24 mehrheitlich für die rechtsextreme AfD, während Frauen desselben Alters eher links der Mitte stehende Parteien bevorzugten.
Banaszaks erster Versuch, junge Männer zu erreichen, datiert auf Februar – in einem Interview mit dem Playboy. Dort argumentierte er, dass starre Geschlechterrollen nicht nur Frauen, sondern auch Männer einschränken – und dass Männer ein Interesse an Feminismus haben sollten. Doch sein Ton wurde schärfer, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes den Schauspieler Christian Ulmen der Belästigung beschuldigt hatte. Seither übt er generell Kritik an Männern und reflektiert auch das eigene Verhalten.
Sein Ansatz beschränkt sich nicht auf Worte. Kürzlich besuchte er Vaterwelten in Krefeld, eine Organisation, die Geburtsvorbereitungskurse für Männer anbietet. Nun setzt er sich für eine bessere Finanzierung solcher Gruppen ein, da sie Männern helfen, sich von veralteten Erwartungen zu lösen.
Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Ein Kolumnist der Welt nannte die Grünen kürzlich „unerträglich besserwisserisch“ und spottete sogar über Banaszaks pinke Bürowände – gleich zweimal. Dabei ist die Farbwahl weder im Sport noch in der Politik neu. Schon vor 20 Jahren trug Torhüter Tim Wiese Pink auf dem Platz, ohne dass seine Männlichkeit infrage gestellt wurde.
Die AfD hingegen setzt auf eine andere Strategie. Vor der Europawahl 2024 riet der AfD-Politiker Maximilian Krah jungen Männern, die Probleme bei der Partnersuche hätten, sie sollten „auf der richtigen Seite“ stehen. Die Äußerung unterstrich, wie die Partei unzufriedene männliche Wähler anspricht – genau jene Gruppe, um die sich Banaszak auf andere Weise bemüht.
Banaszak gibt zu, dass sein Ansatz ausbalanciert sein muss. Reine Konfrontation funktioniere nicht, sagt er, ebensowenig wie bloße Wohlwolligkeit. Sein Ziel ist ein Mittelweg – einer, der junge Männer herausfordert, ohne sie weiter in Richtung Extremismus zu treiben.
Der Fokus des Grünen-Chefs auf Männer und Feminismus kommt zu einer Zeit, in der die politischen Loyalitäten junger Wähler immer stärker auseinandergehen. Seine Besuche bei Initiativen wie Vaterwelten und seine Forderungen nach Förderung zeigen einen praxisnahen Ansatz. Ob sich damit Einstellungen – oder Wahlverhalten – ändern, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Debatte über Männlichkeit, Politik und pinke Bürowände geht weiter.






