Hilfsorganisationen warnen vor dramatischen Kürzungen in der Entwicklungspolitik
Claudia FischerHilfsorganisationen warnen vor dramatischen Kürzungen in der Entwicklungspolitik
Führende Hilfsorganisationen haben die schrumpfenden Haushaltsmittel Deutschlands für die Entwicklungszusammenarbeit scharf kritisiert. Am Mittwoch stellten Welthungerhilfe und Terre des Hommes ihren jährlichen Bericht zur deutschen Entwicklungspolitik vor und warnten vor wachsendem Druck durch globale Krisen, Kriege und den Klimawandel.
Seit 2022 hat die Bundesregierung das Budget für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt. Weitere Kürzungen sind bereits für 2027 geplant. Die Organisationen betonen, dass diese Einschnitte zu einem Zeitpunkt erfolgen, an dem der humanitäre Bedarf weltweit steigt.
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, forderte eine Aufstockung der humanitären Mittel. Er rief die Regierung auf, das Budget für das kommende Jahr von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen. Zudem unterstrich er die Notwendigkeit, stärker in Prävention zu investieren – und nicht nur in akute Nothilfe.
Joshua Hofert von Terre des Hommes bestand darauf, dass Reformen kein rein top-down-gesteuerter Prozess sein dürften. Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen müssten verbindlich in die Gestaltung von Veränderungen einbezogen werden. Beide NGOs forderten vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Zivilgesellschaft in Deutschland und im Ausland aktiv in den Reformprozess einzubinden.
In ihrem gemeinsamen Bericht wiesen die Organisationen auf die zunehmende Politisierung der Entwicklungshilfe hin. Sie warnten, dass dieser Trend die Grundsätze der Neutralität, Unabhängigkeit und bedarfsorientierten Unterstützung untergraben könnte. Zwar begrüßten sie die grundsätzliche Neuausrichtung der Politik, kritisierten jedoch, dass den aktuellen Reformplänen eine klare und kohärente Strategie fehle.
Mogge ergänzte, dass es nicht allein um die Menge, sondern vor allem um die Qualität der Hilfe gehen müsse. Er forderte weniger Bürokratie und mehr Eigenständigkeit für zivilgesellschaftliche Organisationen.
Die Hilfsorganisationen haben klare Forderungen an die Regierung gerichtet: höhere Finanzmittel, eine breitere Beteiligung an den Reformen und ein stärkeres Bekenntnis zu humanitären Prinzipien. Ohne diese Änderungen, so ihre Warnung, werde die deutsche Entwicklungspolitik den bevorstehenden Herausforderungen nicht gewachsen sein.
