Kulturminister Weimer greift in Buchhandelspreis ein – und löst Empörung aus
Nina Müller"Spiegel": Weimer lässt Listen von Kulturjuroren erstellen - Kulturminister Weimer greift in Buchhandelspreis ein – und löst Empörung aus
Kulturminister Weimer löst mit umstrittenem Eingriff in den Deutschen Buchhandelspreis Empörung aus
Bundes Kulturminister Wolfram Weimer hat mit der Aufhebung einer Jury-Entscheidung beim Deutschen Buchhandelspreis für Aufsehen gesorgt. Drei zuvor nominierte Buchhandlungen wurden nachträglich von der endgültigen Auswahl gestrichen, nachdem Weimer auf nicht näher bezeichnete Bedenken der Sicherheitsbehörden verwies. Der Schritt führte zu rechtlichen Schritten und breiter Kritik der betroffenen Betriebe.
Im Mittelpunkt des Streits steht der Deutsche Buchhandelspreis, eine Auszeichnung für unabhängige Buchhandlungen. Eine siebenköpfige Jury, der unter anderem Verleger der Verlage Wagenbach und Aufbau, eine Literaturkritikerin, ein Journalist und eine Vertriebsleiterin angehörten, hatte zunächst 118 Buchhandlungen für die engere Auswahl vorgeschlagen. Diese Liste wurde anschließend an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) übermittelt.
Weimers Behörde behauptete später, die Jury habe die drei ausgeschlossen Buchhandlungen für unwürdig befunden – eine Aussage, die sich im Nachhinein als falsch herausstellte. Stattdessen begründete der Minister seine Entscheidung mit Hinweisen der Innen-Sicherheitsbehörden, ohne jedoch nähere Angaben zu machen.
Die betroffenen Buchhandlungen haben daraufhin rechtliche Schritte eingeleitet. Sie werfen Weimer vor, die Glaubwürdigkeit und Transparenz des Preises zu untergraben. Zudem hat der Minister die Erstellung von Listen angeordnet, in denen alle Jury-Mitglieder aufgeführt werden, die an Kulturförderentscheidungen beteiligt sind – was die Spannungen weiter verschärft.
Die Folgen von Weimers Vorgehen weiten sich weiter aus. Während die ausgeschlossen Buchhandlungen juristisch gegen die Entscheidung vorgehen, stellt der Buchhandel insgesamt die Befugnis des Ministers infrage, Fachgremien zu überstimmen. Der Ausgang des Konflikts könnte präzedenzwirksam für künftige Entscheidungen in der Kulturförderung werden.






