Langzeitarbeitslose fühlen sich von Arbeitsagenturen trotz Reformen im Stich gelassen
Claudia FischerFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Langzeitarbeitslose fühlen sich von Arbeitsagenturen trotz Reformen im Stich gelassen
Eine neue Umfrage offenbart tiefe Frustration unter Langzeitarbeitslosen in Deutschland mit der Unterstützung durch die Arbeitsagenturen. Fast die Hälfte gibt an, dass die Beratungstermine ihre Jobchancen kaum verbessern – trotz hoher Zufriedenheit mit dem Personal. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung plant, die Sozialleistungsregeln 2026 grundlegend zu reformieren und schärfere Sanktionen für diejenigen einzuführen, die sich nicht ausreichend bei der Stellensuche engagieren.
Die zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführte Erhebung befragte über 1.000 Arbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Zwar bewerteten 67 Prozent die Leistung ihrer Arbeitsagentur als gut und 73 Prozent hielten das Personal für kompetent, doch 46 Prozent berichteten weiterhin von multiplen Hindernissen auf dem Weg zurück in den Job – etwa gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen.
Die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt hat sich seit der Einführung des Bürgergelds im Januar 2023, das Hartz IV ablöste, weiter verschlechtert. Offizielle Statistiken zeigen, dass der Anteil derer, die nach mehr als zwei Jahren Arbeitslosigkeit eine Stelle finden, von etwa 25 auf unter 20 Prozent gesunken ist. Dieser Rückgang trat ein, obwohl die Leistungen höher ausfallen und das aktuelle System weniger Sanktionen vorsieht.
Als Reaktion hat der Bundestag eine Reform beschlossen, die das Bürgergeld ab dem 1. Juli 2026 durch ein strengeres Sozialleistungssystem ersetzt. Die neuen Regeln sehen deutliche Kürzungen der Bezüge für diejenigen vor, die sich nicht an die Vorgaben zur Arbeitsvermittlung halten. Die Bertelsmann Stiftung schlägt vor, die Arbeitsagenturen sollten mehr Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und direkte Vermittlungen anbieten, um die Erfolgsquoten zu steigern. Bei Arbeitslosen ohne größere Hindernisse empfiehlt der Bericht, stärker auf eigeninitiative Stellensuche zu setzen – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit den Unterstützungsleistungen verringert.
Ziel der Reform ist es, die seit Jahren stagnierenden Beschäftigungsquoten unter Langzeitarbeitslosen durch verschärfte Regeln und gezieltere Förderung zu verbessern. Angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte der Bezieher mit komplexen Problemen kämpft, müssen die Arbeitsagenturen künftig eine Balance zwischen strengerer Kontrolle und individueller Hilfe finden. Die Änderungen treten Mitte 2026 in Kraft und markieren damit einen Kurswechsel weg vom bisherigen, großzügigeren Ansatz.