17 March 2026, 01:01

Streit um neues Gaskraftwerk in Mainz: Flexible Energie für die Zukunft oder politisches Risiko?

Eine Liniengrafik, die die Stromerzeugung in Kraftwerken von 2018 bis 2022 zeigt, mit begleitendem Text.

Streit um neues Gaskraftwerk in Mainz: Flexible Energie für die Zukunft oder politisches Risiko?

Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) treibt Pläne für neues gasbetriebenes Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue in Mainz voran

Die Anlage, die flexibel Strom erzeugen soll, hat politische Debatten ausgelöst und Verzögerungen erlebt, nachdem es auf Bundesebene Uneinigkeit gab. Erst am 9. Februar 2026 begann die öffentliche Anhörung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens.

Das Projekt wurde erstmals Ende 2025 vorgeschlagen, wobei KMW im Oktober desselben Jahres den Antrag auf Bau und Betrieb einreichte. Das Kraftwerk soll eine elektrische Gesamtleistung von etwa 54 Megawatt erreichen, erzeugt durch zwölf Gasmotoren. Zunächst wird es mit Erdgas betrieben, ist jedoch als 'H₂-ready' konzipiert, um später auf Wasserstoff umzustellen.

Die politischen Diskussionen um das sogenannte 'Zukunftskraftwerk' spitzten sich im Oktober 2025 zu, als die damalige Bundesregierung (SPD, Grüne, FDP) Anfang November zerbrach. CDU/CSU und AfD kritisierten die Grünen scharf für angebliche Versäumnisse in der Energiepolitik, während Umweltminister Robert Habeck das Projekt als notwendigen Schritt zum Ausbau erneuerbarer Energien verteidigte. Der Streit führte zu einer parlamentarischen Blockade, die die Genehmigung bis Februar 2026 verzögerte.

KMW hat bereits mit Vorbereitungsarbeiten begonnen, darunter die Altlastensanierung und Planung. Die Anlage soll bestehende Kraftwerke ergänzen, indem sie ihre Leistung an die Nachfrage anpasst und bei Wind- oder Solarflauten die Versorgung stabilisiert. Zudem verfügt sie über Schwarzstart- und Schnellstartfähigkeiten, um im Falle eines Netzausfalls die Stromversorgung des Rechenzentrums 'Green Rocks' aufrechtzuerhalten.

Der Betrieb soll voraussichtlich Ende 2027 aufgenommen werden. Die langfristigen Pläne von KMW für ein deutlich größeres, wasserstofffähiges Gaskraftwerk bleiben indes auf Eis, bis der Bund hierzu Entscheidungen trifft.

Das neue Kraftwerk wird 54 Megawatt flexiblen Strom liefern und so helfen, Versorgungsengpässe bei erneuerbaren Energien auszugleichen. Dank der Schwarzstartfähigkeit sichert es zudem die Notstromversorgung kritischer Infrastruktur wie dem Rechenzentrum 'Green Rocks'. Mit der Baustartfreigabe wird gerechnet, sobald alle Genehmigungen vorliegen; die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant.

AKTUALISIERUNG

KMW beantragt frühen Baubeginn für 54-MW-Anlage trotz Projektverzögerungen

Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) hat am 16. Januar 2026 einen Antrag auf frühzeitige Baubeginngenehmigung für sein 54-MW-Gaskraftwerk gestellt, bevor am 9. Februar die öffentliche Anhörung stattfindet. Die Anlage wird zwölf Jenbacher Gasmotoren (je 4,5 MW) nutzen, um flexible Stromversorgung zu bieten. Meanwhile hat KMW die Pläne für eine größere 250-MW-wasserstoffbereite Anlage bis zur Entscheidung der Bundesregierung auf Eis gelegt.