30 March 2026, 14:09

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Chancen und Risiken nach Assads Sturz

Eine Karte von Syrien, die in Blau, Grün, Gelb und Rot schattiert ist, um den Grad des Konflikts während des syrischen Bürgerkriegs anzuzeigen, mit beschrifteten Städten und Bezirksgrenzen.

Syriens Übergangspräsident in Berlin: Chancen und Risiken nach Assads Sturz

Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht diese Woche Berlin. Die Reise hat eine Debatte über Deutschlands Rolle in der Zukunft Syriens nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 ausgelöst. Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, bezeichnete die Einladung als "richtigen Schritt", warnte jedoch vor wachsenden Herausforderungen im Transformationsprozess des Landes.

Bischoff betonte, dass Syrien nach wie vor ein tiefgreifendes Demokratiedefizit aufweise. Sie bestand darauf, dass jede deutsche Unterstützung an strenge Auflagen zur Demokratieförderung geknüpft sein müsse. Gleichzeitig kritisierte sie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dafür, Hilfe an umstrittene Abschiebeabkommen zu koppeln, und nannte diese "undurchsichtig".

Der Zusammenbruch des Assad-Regimes hinterließ Syrien zersplittert. Anfang 2026 kontrollierten rivalisierende Gruppen verschiedene Regionen: Die HTS hielt Idlib und Damaskus, die SDF den Nordosten und türkisch unterstützte Milizen den Norden. Trotz anhaltender Gewalt und Versorgungsengpässen übernahmen lokale zivilgesellschaftliche Akteure – darunter Fraueninitiativen, Jugendnetzwerke und Gemeinderäte – zunehmend Verantwortung. Diese Organisationen organisieren inzwischen in Städten wie Aleppo und Raqqa die Verwaltung, verteilen Hilfsgüter und vermitteln in Konflikten.

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Bischoff forderte zudem bessere rechtliche Absicherungen für Syrier in Deutschland, die in ihre Heimat zurückkehren möchten. Sie verwies auf die Risiken einer zunehmenden autoritären Tendenz der Übergangsregierung und Versuche, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Die seit 2011 in Syrien aktive Organisation Adopt a Revolution setzt sich unterdessen dafür ein, dass lokale Gemeinschaften eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau des Landes spielen.

Al-Scharaas Besuch erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die politische Zukunft Syriens ungewiss bleibt. Bischoffs Warnungen verdeutlichen sowohl Chancen als auch Risiken des Übergangs. Die deutsche Regierung steht nun vor der Herausforderung, Demokratieförderung mit den Realitäten eines gespaltenen Landes in Einklang zu bringen.

Quelle