Geheime Druckkunst: Wie Dresdner Künstler in der DDR Grenzen sprengten

Nina Müller
Nina Müller
2 Min.
Ein detailliertes Zeichnung des Museums für Kunst in Berlin, Deutschland, das ein Gebäude mit zahlreichen Fenstern und einen prominenten Turm zeigt, begleitet von beschreibendem Text auf dem Papier.Nina Müller

Geheime Druckkunst: Wie Dresdner Künstler in der DDR Grenzen sprengten

1978 gründeten Künstler in Dresden aus einer alten italienischen Druckerpresse ein Zentrum für verbotene Kreativität. Unter den restriktiven politischen Bedingungen der DDR nutzten sie die Maschine, um mit kühnen Ideen zu experimentieren. Das Projekt entwickelte sich zu einer leisen, aber kraftvollen Alternative zur staatlich gelenkten Kunst.

Die Geschichte begann mit Peter Herrmann, dem Besitzer einer italienischen Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die Bernhard Theilmann restauriert hatte. Zur gleichen Zeit suchte der Drucker Jochen Lorenz nach sinnstiftenderer Arbeit als dem Druck von Fahrplänen für die Reichsbahn. Ihre Wege kreuzten sich, als Eberhard Göschel 1978 in ein größeres Atelier umzog und eine Dreizimmerwohnung für künstlerische Experimente frei wurde.

Herrmann und Göschel arbeiteten bereits seit 1976 im Arbeitskreis des Leonhardi-Museums zusammen. Gemeinsam mit Lorenz und anderen gründeten sie die Dresdner Obergrabenpresse – ein Kollektiv, das als Druckwerkstatt, Verlag und Galerie fungierte. Die Presse wurde zu einem Ort, an dem Künstler Grenzen austesten und mit Mut und Einfallsreichtum die Lücken füllen konnten, die offizielle Institutionen ließen.

Zu ihnen gehörte A.R. Penck, der 1971 die Künstlervereinigung Lücke mitgegründet hatte, bevor sie sich 1976 auflöste. 1978 entwickelte er seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund, die den Wandel von verdeckter Kreativität zu einer sichtbareren – wenn auch weiterhin riskanten – Ausdrucksform widerspiegelte. Die Presse ermöglichte es diesen Künstlern, Werke zu schaffen, die den Status quo herausforderten, während das Regime sie argwöhnisch beobachtete.

Die Dresdner Obergrabenpresse war zugleich eine praktische Werkstatt und eine trotziges Statement. Sie gab Künstlern wie Penck, Herrmann und Göschel die Möglichkeit, außerhalb offizieller Kanäle zu arbeiten und ihre Werke zu verbreiten. Ihr Wirken hinterließ bleibende Spuren in der Kulturlandschaft der DDR und bewies, dass selbst unter strenger Kontrolle Kreativität ihren Weg findet.

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